Die Psyche schützen! Einsatz des Betriebsrates im Rahmen der GBpsych

Die Psyche schützen! Einsatz des Betriebsrates für die Gesundheit der Beschäftigten im Rahmen der GBpsych


Dieser Artikel aus der youCcom Serie Betriebsrat psychische Belastungen ist in der Ausgabe 6/2018 der AIB Arbeitsrecht im Betrieb erschienen. Hier geht es zum PDF!


Mit der Einführung der Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastungen kann der Betriebsrat noch besser ins Gespräch mit den Beschäftigten kommen und sich so sichtbar für deren Gesundheit einsetzen.

Betriebsrat psychische Belastungen

Jeder Betrieb muss eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GBpsych) durchführen. Durch eine aktive Rolle im Rahmen der Einführung der GBpsych trägt der Betriebsrat nicht nur sehr zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten bei, sondern stärkt zugleich auch seine Kommunikation mit der Belegschaft.

Betriebsrat psychische BelastungenBetriebsrat als Vertreter der Beschäftigten

Moderne Betriebsräte verstehen sich als Mitgestalter der betrieblichen Prozesse. Um der deutlichen Verschärfung der Arbeitsbedingungen begegnen zu können, dürfen Interessenvertretungen sich heute nicht mehr auf eine reaktive Rolle beschränken. Bei betrieblichen Restrukturierungs- und Rationalisierungsprozessen besteht die Gefahr, dass die Beschäftigten den aktiv mitgestaltenden Betriebsrat nicht mehr als Vertreter ihrer Interessen erkennen. Daher ist es umso wichtiger, dass der Betriebsrat in seiner Rolle als aktiver Streiter für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Betriebs hervortritt. Diese Möglichkeit bietet ihm die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in hervorragender Weise. Das Eintreten für die Gesunderhaltung der Beschäftigten entspricht der klassischen Schutzfunktion des Betriebsrats. Das umfassende Mitbestimmungsrechts aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG umfasst auch ein Initiativrecht.

Betriebsinterne Kommunikation stärken

Wurden im Rahmen einer GBpsych gesundheitsgefährdende Faktoren erkannt, so muss der Arbeitgeber den Betriebsrat darüber informieren.


Gut zu wissen! Pflicht des Arbeitgebers

§81 Abs. 1 BetrVG bezieht die Unterrichtungs- und Erörterungspflichten durch den Arbeitgeber ausdrücklich auf die Unterrichtung über Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie Maßnahmen und Einrichtungen zur Abwendung dieser Gefahren. Er umfasst damit faktisch den gesamten betrieblichen Arbeitsschutz.


Darüber hinaus kann es notwendig sein, dass verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um die Beschäftigten besser vor den erkannten psychischen Belastungen zu schützen. Diese werden in der Systematik des Arbeitsschutzes nach dem sogenannten TOP-Prinzip (eine Abkürzung für Technische-Organisatorische-Personelle Maßnahmen) abgeleitet und stellen ein Vorrangprinzip dar. Das heißt, technische Maßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen, die wiederum Vorrang vor personellen Maßnahmen haben.

Der Betriebsrat hat im Thema Betriebsrat psychische Belastungen ebenfalls ein Unterrichtungs- und Beratungsrecht, aus den §§ 90, 91 BetrVG.

Arbeitgeber muss auch Beschäftigte informieren

§81 Abs. 4 BetrVG dehnt die Unterrichtungspflicht des Arbeitgebers ausdrücklich auf die Beschäftigten aus. Der Arbeitgeber muss die Arbeitnehmer über „neue“ Maßnahmen, die Auswirkungen auf ihre Tätigkeit haben, unterrichten. Hierzu zählen neben den technischen auch organisatorische Maßnahmen wie beispielsweise veränderte Arbeitsabläufe und Zusammenlegung von Arbeitsgruppen. Aber auch über personelle Maßnahmen wie Schulungsangebote für den Umgang mit arbeitsbedingtem Stress, die zur Erreichung der Schutzziele notwendig sind, müssen die Beschäftigten rechtzeitig unterrichtet werden. Weitere Kommunikationsrechte finden sich beispielsweise in den §§ 82 Abs. 1 und 86a BetrVG. Insgesamt wird deutlich, dass das Betriebsverfassungsgesetz die innerbetriebliche Kommunikation fördern möchte und die aktive Gestaltung der Kommunikation durch die Betriebspartner fordert. Dies gilt insbesondere für das Thema Betriebsrat psychische Belastungen.

Betriebsrat psychische Belastungen. Die Kernaufgaben bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Betriebsrat psychische Belastungen

Eine der Kernaufgaben des Betriebsrats besteht darin, den Informationsfluss zur Belegschaft zu initiieren. Zudem hat er für eine Transparenz sowohl der betrieblichen Entwicklung als auch der eigenen Arbeit zu sorgen. Die aktive Gestaltung der Kommunikation gilt im besonderen Maße für den Prozess der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Im Rahmen der GBpsych sollte die aktive Beteiligung der Beschäftigten von Beginn an ein zentrales Ziel darstellen.

Insbesondere sind die Beschäftigten als Experten für ihre Arbeitssituation eine gute Quelle für relevante Belastungsfaktoren und wirksame Maßnahmen.

Beschäftigte miteinbeziehen

Die Kommunikation zwischen Betriebsrat und Beschäftigten wird mit der Durchführung der GBpsych in besonderer Weise gefördert. Indem die Beschäftigten aktiv in die Analyse und Verbesserung der eigenen Arbeitsbedingungen einbezogen werden und erleben, dass das Verfahren maßgeblich vom Betriebsrat mitgestaltet wird, rücken Interessenvertretung und Beschäftigte näher zusammen.

Beschäftigte als Experten Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Betriebsrat psychische BelastungenBei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung wird auch für die Beschäftigten deutlich, dass sie selbst über das Expertenwissen zu den arbeitsplatzspezifischen Anforderungen und Problemen verfügen.

Diejenigen, die tagtäglich die konkreten Arbeiten ausführen, können meist am besten erkennen, wo Belastungen und spezifische Beanspruchungen liegen.

Da die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung genau dieses Wissen abfragt, erfahren die Beschäftigten, dass sie gemeinsam mit der Interessenvertretung zu einer Verbesserung der Arbeitssituation beitragen können. Dies stärkt die eigene Selbstwirksamkeit.

Argumente für Einführung der GBpsych

In den Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über das „Wie“ der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sollte der Betriebsrat deutlich machen, dass sich die Umsetzung der GBpsych betriebswirtschaftlich lohnt, wenn sie fundiert geplant und professionell unter Einsatz wissenschaftlich validierter und evidenzbasierter Lösungen implementiert wird.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Ansätze, Methoden und Instrumente zur Erhebung psychischer Belastungen. Die Analysetiefe, aber vor allem die Qualitätsniveaus von Erhebungsinstrumenten sind hierbei sehr unterschiedlich. Die Leitlinien der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie beschreiben zwar Mindestanforderungen, sehen aber von konkreteren Empfehlungen ab.

Betriebsrat psychische BelastungenDaher ist sowohl aus fachlicher Sicht, aber insbesondere hinsichtlich der Rechts-, Prüf- und Normsicherheit die Entscheidung für eine qualitätsgesicherte Erhebungsmethode wichtig. Der Einsatz eines erprobten und wissenschaftlich validierten Werkzeuges ist klar zu empfehlen. Die Anforderung muss lauten auf den Punkt zu messen was wirklich wichtig ist. Eine eindeutige Identifizierung der Risikofaktoren und Ressourcen steht im Fokus.

Dabei ist es nicht notwendig, dass das eingesetzte Instrument (z.B. ein Fragebogen) besonders umfangreich ist – wobei klar sein sollte, dass sich bspw. mit 15 oder weniger Fragen in keinem Fall ein schlüssiges Bild zeichnen lässt. Manche Fragebögen enthalten allerding um die hundert Items oder sogar noch deutlich mehr. Die Hauptbelastungsfaktoren lassen sich effektiv auch mit deutlich weniger kleinteiligen Fragen oder in Workshops direkt erheben. Viele Fragen erzeugen immer auch eine große Datenmenge, die anschließend weiterverwendet und in Maßnahmen überführt werden muss. Deshalb ist es wichtig, dass die konkreten Belastungspunkte in sprechender und nachvollziehbarer Form eine übersichtliche Darstellung der Ergebnisse liefern. Nur so können zielgerichtete Veränderungsmaßnahmen eingeleitet werden, deren Wirksamkeit auch überprüfbar ist.

Da es sich bei der GBpsych um eine Zukunftsaufgabe handelt wird plausibel, dass die verwendeten Verfahren stetig weiterentwickelt werden müssen, um mit den Entwicklungen einer sich verändernden Arbeitswelt Schritt halten zu können. Bereits bei der Einführung der GBpsych ist darauf zu achten, dass mit dem eingesetzten Verfahren auch spätere Vergleiche möglich sind. Eine evidenzbasierte Lösung sichert Zukunftsfähigkeit und Wiederholbarkeit der Erhebung.


Gut zu wissen! Betriebswirtschaftliche Effekte

  • Steigerung der Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeitenden
  • Reduzierung von Prozesskosten durch optimierte Arbeitsabläufe
  • geringere Reibungsverluste durch effizientere Zusammenarbeit
  • Reduzierung von Krankheitstagen und Fehlzeiten
  • geringere Mitarbeiterfluktuation
  • Wissenstransfer und bessere Förderung der Potenziale der Mitarbeitenden
  • Steigerung der Innovationskraft des Unternehmens
  • Verbesserung des Betriebsklimas und der Identifikation mit dem Unternehmen
  • Verbesserung des Teamworks

Strategisch sollte der Betriebsrat nicht nur mit der gesetzlichen Verpflichtung des Arbeitgebers argumentieren. Er sollte vielmehr deutlich machen, dass die Durchführung der GBpsych ein exzellentes Beispiel für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebs sein kann. Betriebsrat psychische Belastungen

Schlüsselkennzahlen aus Controlling

Der betriebswirtschaftliche Mehrwert der GBpsych für den Arbeitgeber lässt sich sehr gut nachvollziehbar vermitteln, wenn einmal die Kosten für Fehlzeiten, Neubesetzungen, Reibungsverluste und Fachkräftesuche in den Blick genommen werden. Entsprechende Schlüsselkennzahlen im Controlling belegen die Mehrwerte. Die professionelle Durchführung der GBpsych bietet die Chance auf nachhaltige Veränderungen, von der alle Seiten profitieren.

Jeder Betrieb ist zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GBpsych) gesetzlich verpflichtet. Durch eine aktive Rolle im Rahmen der Einführung der GBpsych trägt der Betriebsrat nicht nur sehr zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten bei, sondern stärkt zugleich auch die

Die Praxis zeigt, dass nicht nur zählt, welche Inhalte übermittelt werden, sondern auch und vor allem, wie über die Themen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung kommuniziert wird. Hinzu kommt, dass nicht nur zählt, wie etwas gesagt wird, sondern auch, von wem. So hat ein- und dieselbe Aussage von Vertretern der Betriebsleitung ein ganz anderes Gewicht, als wenn sie „nur“ von einem Projektleiter oder einem Fachberater kommt.

Expertenwissen! Spezialformat für Betriebsräte und Personalvertretungen

Zertifiktatslehrgang Prozessmanager für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (BR/PR)

Betriebsräte und Personalvertretungen müssen beim Gesundheitsschutz auf Augenhöhte mit dem Arbeitgeber agieren. Neben solidem Know-how zu ihren Mitbestimmungsrechten benötigen sie vertieftes Handlungswissen zur Vorgehensweise bei der GBpsych. Die Struktur des Lehrgangs ermöglicht es den Teilnehmern ihr Wissen Schritt für Schritt direkt im Betrieb umzusetzen.

Die vermittelten Kenntnisse sind zur Wahrnehmung des umfassenden Mitbestimmungs- und Zustimmungsverweigerungsrechts der Interessenvertretungen insbesondere mit Blick auf das Recht mitzuentscheiden, in welchen Abständen die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird, welche Erhebungsverfahren eingesetzt werden, wie die Erfassung und Auswertung unter welchen datenschutzrechtlichen Vorgaben erfolgt und welche Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden zwingend notwendig.

Die Schulung Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist erforderlich für die Betriebsratsarbeit nach § 37 Abs. 6 BetrVG. Die Kostentragungspflicht des Arbeitgebers ergibt sich aus § 40 Abs. 1 BetrVG. Entsprechendes gilt für die Personalvertretung aus § 46 Abs. 6 BPersVG und den entsprechenden Vorschriften der Landespersonalvertretungsgesetze (in NRW bspw. § 42 Abs. 5 LPVG). Die Schulung ist ferner nach § 96 Abs. 4 SGB IX auch für die Schwerbehindertenvertretung erforderlich.

Bitte geben Sie im Veranstaltungskalender unter „Suche“: „Zertifikatslehrgang für Betriebsräte und Personalvertretungen“ ein.

Das youCcom Autorenteam des Beitrages Betriebsrat psychische Belastungen

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Karsten Steffgen                Jürgen Heimes                Björn Bücks

 

Betriebsrat psychische Belastungen

2018-07-04T14:01:58+00:00 20.06.2018|Uncategorized|

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